Projekt Raiffeisenbank Wolfertswil- Mogelsberg Ort Degersheim Jahr 2003 Bauaufgabe Verwaltung/Gewerbe, Umnutzung in Geschäftsstellen Projektstand ausgeführt Bauherrschaft Schweizerischer Verband der Raiffeisenbanken Verfahren Studienauftrag, 1.Rang
Katja Hasche
Transformation
Degersheim: Neunutzung und Umbau eines Gasthauses mit Metzgerei, 2004
Die Bank in Degersheim wurde in einen ehemaligen Gasthof eingebaut. Dazu wurden die Räume neu organisiert und die Wohnungen in den Obergeschossen aus Sicherheitsgründen separat erschlossen.
Der Liegenschaft «Schäfli» in Degersheim kommt dorfgeschichtlich und städtebaulich ein grosser Stellenwert zu. Die Grundmauern des ehemaligen Gasthofes stammen aus dem 17. Jahrhundert. Hier arbeitete bis zu ihrer Verhaftung Anna Göldin, die als letzte Frau in der Schweiz als Hexe verurteilt und 1782 in Glarus hingerichtet wurde. Das Gebäude steht an der Hauptstrasse und bildet eine Seite des Sternenplatzes. Aus diesen Gründen entschied sich das Architektenteam Hutter Nüesch Architekten und Jörg + Kuster bei ihrem Wettbewerbsprojekt «Schatztruhe», das Gebäude nicht abzureissen, sondern für seine Neunutzung umzubauen. Für einen Erhalt der Bausubstanz sprachen auch die wesentlich niedrigeren Kosten. Mit diesem Konzept gingen die Architekten im Frühjahr 2003 als Sieger aus dem Wettbewerb hervor, zu dem die Raiffeisenbank Wolfertswil-Mogelsberg eingeladen hatte.
Der Entwurf sah eine moderate Transformation des viergeschossigen Gebäudes vor. Die Architekten wollten seine städtebauliche Stellung und die «wenigen, aber offensichtlichen Stärken» herausarbeiten. Die Gebäudestruktur war durch mehrfache Umbauten verunklärt worden; die Konstruktion bestand aus einer Mischung aus Mauerwerk und Riegelbau. Um die Symmetrie des Gebäudes wiederherzustellen, rissen die Architekten den Metzgereianbau ab und legten den strassenseitigen Eingang in die Mittelachse. Die Gebäudehülle wurde vollständig saniert. Der feinkörnige Putz auf mineralischer Wärmedämmung wurde mit Besenstrich aufgebracht und erhielt dadurch einen leicht textilen Charakter.
Auffallend sind die überdimensionierten Fenstergewände aus matt glänzendem Aluminium. Rollladen und Führungsschienen sind darin integriert, und auch die Fensterrahmen werden von ihnen verdeckt, sodass von aussen nur die mittlere Fensterteilung sichtbar ist. Die strassenseitige Erdgeschossfassade ist durch ein schmales Aluminiumvordach von der Putzfassade abgesetzt und vollverglast. Auf den Glasscheiben ist ein Siebdruck angebracht, der eine Sammlung von Zitaten historischer Persönlichkeiten aus Degersheim umfasst und gleichzeitig als Sichtschutz dient.
Neuer Kern
Im Inneren ordneten die Architekten die Raumstruktur neu. Wo sich im Erdgeschoss vorher das Restaurant und die Metzgerei befanden, liegt heute der Schalterraum mit bankinternen Nebenräumen. Die Hotelzimmer im ersten Obergeschoss wichen einem Grossraumbüro, in den Geschossen darüber befinden sich Wohnungen. Aus Sicherheitsgründen musste die Erschliessung für Bankräume und Wohnungen getrennt werden. Die Architekten legten eine zentrale Achse durch das Gebäude, an der die verschiedenen Erschliessungskerne andocken. Neben dem ursprünglichen, rückwärtigen Treppenhaus liegt der neue Lift, davor schliesst ein neuer Treppenkern für die bankinterne Verbindung an. Dieser Betonkern übernimmt statische Funktionen, was sich aufgrund des vorhandenen Patchworks an verschiedenen Konstruktionsarten und Baumaterialien als
notwendig erwies. Im karg materialisierten Innenraum besteht der Fussbodenbelag in den öffentlichen Zonen aus fugenlos verlegten Kunststeinplatten, in den Büroräumen aus Eichenparkett. Die Oberflächen der Wände sind in Sichtbeton, Weissputz oder hellem Täfer ausgeführt. Eine Besonderheit ist der Gewölbekeller aus dem 17. Jahrhundert. Er ist über die rückwärtige Treppe erschlossen, was eine Fremdnutzung ermöglicht. Das sanierte Tuffsteingewölbe steht mit seiner porösen Oberfläche in Kontrast zum neuen Bodenbelag aus dunkel eingefärbten Hartbeton und sorgt für eine gute Raumakustik. Der Raum, der früher als Eislager diente, wird heute für Sitzungen und Kundenveranstaltungen und vom
Standesamt für Trauungen genutzt.
Katja Hasche, Architektin, Zürich
AM BAU BETEILIGTE
BAUHERRSCHAFT
Raiffeisenbank Wolfertswil-Mogelsberg
ARCHITEKTUR UND BAULEITUNG
ARGE Jörg + Kuster AG Degersheim
Hutter Nüesch Architekten, Berneck
Leitung Planung / Architektur:
Hutter Nüesch Architekten
Projektleitung / Bauleitung:
P. Jörg, Jörg + Kuster AG
BAUINGENIEUR
K. Vogt AG, St.Gallen
HLKS-INGENIEUR
Edwin Keller Partner AG,Gossau
ELEKTROINGENIEUR
Kramer Elektroplan, Flawil
BAUPHYSIK
Stadlin Bautechnologie, Buchs
BAUZEIT
November 2003 – Juni 2004
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